Wissenswertes

Gemeinde- und Bezirkswerte: So messen wir die echte Preisentwicklung

Unsere Werte zeigen, wie sich die Preise für vergleichbare Immobilien in einer Gemeinde oder einem Bezirk entwickeln – als verlässliche Grundlage, um Kaufpreise und Verkehrswerte auf einen aktuellen Stichtag fortzuschreiben.

Aktualisiert am 15. Oktober 2026ZT datenforum eGen
Wien-Brigittenau: hedonischer Index, Median-Index und linearer Trend im Vergleich (Q1 2017 = 100)
Inhalt (7 Abschnitte)
Das Wichtigste in Kürze
  • Grundlage sind alle im Grundbuch eingetragenen Kaufverträge in Österreich – rund 10.000 pro Monat, echte Kaufpreise statt Angebotspreise.
  • Die hedonische Regression rechnet Unterschiede in Lage, Größe und Ausstattung heraus – gemessen wird die echte Preisentwicklung.
  • Ausgewiesen wird die durchschnittliche jährliche Änderung über fünf Jahre. Die Methodik ist peer-reviewed veröffentlicht (Spiegel, 2025).

Warum Durchschnittspreise in die Irre führen

Werden in einem Jahr zufällig mehr Neubauwohnungen in guter Lage verkauft, steigt der Durchschnittspreis – auch wenn keine einzige Wohnung teurer geworden ist. Ein Durchschnitts- oder Medianpreis vermischt also die tatsächliche Preisentwicklung mit der veränderten Zusammensetzung der Verkäufe. Das hedonische Modell trennt beides.

Die Immobilie als Summe ihrer Merkmale

Das Modell zerlegt jede Immobilie in ihre wertbestimmenden Eigenschaften und ermittelt per Regression über alle Verkäufe, welchen Preis der Markt für jede einzelne bezahlt. So trägt jeder Verkauf zur Bewertung bei – nicht nur fast identische Objekte.

  • NutzflächeGröße in m²
  • AußenflächenBalkon, Terrasse, Loggia, Garten
  • ObjektmerkmaleKeller, Parkplatz, Baujahr, Erstbezug
  • ErreichbarkeitHaltestellen, Schulen, Ärzte, Geschäfte
  • LärmStraße, Schiene, Flugverkehr
  • Lage und WidmungMikrolage, Flächenwidmung
  • Verkaufszeitpunktdaraus entsteht der Preisindex
ergibtMarktwert der ImmobilieWert jedes Merkmals per Regression über alle Verkäufe

Praxisbeispiel Wien-Brigittenau

Im 20. Wiener Gemeindebezirk stieg der Durchschnittspreis zwischen 2017 und 2021 um rund 32 %. Ein Teil davon war aber kein Preisanstieg, sondern eine Verschiebung hin zu Wohnungen in besserer Lage und Qualität. Der hedonische Index rechnet das heraus:

Durchschnittspreis je m²
+32 %
Median-Index
+21 %
Hedonischer Index
+3 %

Wien-Brigittenau, Wohnungsmarkt 2017–2021. Durchschnittspreis von rund 4.360 €/m² (2017) auf rund 5.760 €/m² (2021).

Fünf-Jahres-Trend statt Momentaufnahme

Immobilienmärkte bewegen sich langsam. Ein einzelnes Jahr kann durch wenige Verkäufe, ein großes Neubauprojekt oder verspätete Grundbucheintragungen einen unüblichen Trend zeigen. Über fünf Jahre fallen solche Zufälle deutlich weniger ins Gewicht – echte Marktveränderungen wie die Zinswende ab 2022 schlagen sich dennoch nieder.

Beispiel: Steigt der Index in fünf Jahren von 100 auf 120, entspricht das einer durchschnittlichen Änderung von rund 3,7 % pro Jahr.

Weicht der Fortschreibungszeitraum deutlich von fünf Jahren ab oder fällt ein Wendepunkt hinein, empfehlen wir den Quotienten der Indexwerte zum Stichtag und zum Vertragszeitpunkt.

Kleine Märkte

In kleinen Gemeinden und Bezirken gibt es weniger Verkäufe. Hier gehen wir in drei Stufen vor:

  1. 1
    Gleitendes ZeitfensterDas Modell wird über mehrere aufeinanderfolgende Perioden gemeinsam geschätzt (Rolling-Time-Dummy-Methode).
  2. 2
    Linearer TrendBei laufend, aber sehr wenigen Verkäufen wird die Zeitkomponente als linearer Trend geschätzt – die Qualitätsbereinigung bleibt erhalten.
  3. 3
    Übergeordnete EbeneGibt es kaum oder keine Verkäufe, wird der Wert des Bezirks verwendet und als „Bezirkswert“ gekennzeichnet.

Wann eine Einzelanalyse sinnvoll ist

Unsere Werte zeigen die durchschnittliche Entwicklung einer Objektkategorie in der gesamten Gemeinde bzw. im gesamten Bezirk – keine Aussage über eine konkrete Liegenschaft. Eine individuelle Vergleichswertanalyse empfehlen wir insbesondere, wenn

  • das Objekt deutlich vom Typischen abweicht, etwa im Luxussegment, bei sehr kleinen oder sehr großen Einheiten oder bei Sonderimmobilien,
  • ein Teilmarkt erkennbar eine eigene Entwicklung nimmt, etwa Neubau gegenüber Bestand,
  • sich die Lage gezielt verändert hat – z. B. durch eine neue U-Bahn-Station, eine Umwidmung oder ein großes Stadtentwicklungsgebiet,
  • über einen sehr langen Zeitraum fortgeschrieben wird oder
  • für eine Gemeinde der Bezirkswert herangezogen wird und sich die Gemeinde strukturell deutlich vom Bezirk unterscheidet.

Unser Trend ersetzt die sachverständige Einzelbewertung also nicht, sondern liefert die verlässliche Grundlage für die zeitliche Anpassung.

Methodik Gemeinde- und Bezirkswerte als PDFAusführliche Beschreibung des hedonischen Modells · PDF

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